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Tensid-Reiniger keine „Wundermittel“
Werbung oft irreführend!

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Sofortmaßnahmen bei Mineralölunfällen –
Ölbindemittel sind die richtige Wahl!

image-top-module2Bewährt, zuverlässig und innovativ. Viele Publikationen, insbesondere seitens der GGVU, erwecken derzeit den Anschein, dass Ölbindemittel und deren Anwendung nicht mehr zeitgemäß sei. ...mehr

Das Ei des Kolumbus?

 

Die irreführenden Werbebehauptungen der Vertreiber von Tensid-Reinigern zur Ölbeseitigung und ihre ökologischen Konsequenzen

In erheblichem Umfange werden die mit der Beseitigung von Ölverschmutzungen betrauten Fachkreise seit einiger Zeit mit Werbematerialien, Prospekten und Videos von Herstellern angeblich vollkommen neuartiger Entölungsprodukte und –technologien auf Basis sogenannter „umweltfreundlicher Tenside“ beliefert. Diese sollen angeblich „volle Umweltverträglichkeit“ besitzen, die „schnelle rückstrandsfreie Beseitigung der Ölschäden auch auf Gewässern“ garantierten, wobei sie „vollständig und rückstandsfrei abbaubar“ seien. Es gäbe „kein Absinken“ des in das Gewässer eingebrachten Öls, dafür aber eine „vollständige Beseitigung des ökologischen Gefährdungspotentials“.

Diese angeblichen Wundermittel halten jedoch nicht, was von den Herstellerfirmen in den Werbeprospekten versprochen wird. Vielmehr haben nationale und internationale Studien ergeben, daß die Anwendung dieser sogenannten „umweltfreundlichen“ Tenside insbesondere auf Gewässern ökologisch unvertretbar ist. Seriöse Hersteller von Tensidprodukten weisen den Nutzer daher darauf hin, daß diese lediglich zur Nachreinigung von Ölspuren auf festen Untergründen verwendet werden dürfen, nach dem Gebrauch aufgenommen und geordnet entsorgt werden müssen und insbesondere nicht zum Gebrauch auf oder in Gewässern geeignet sind.

Nach den unwahren Anpreisungen der Hersteller der angeblich „innovativen Tensidprodukte“ können die Produkte sowohl im Wasser als auch auf festem Untergrund aufgebracht werden. Bei auf der Straße ausgelaufenem Öl könne man das Öl-Tensidgemisch schlicht in den Straßengraben spülen, wo es von Mikroorganismen „vollbiologisch“ abgebaut werde. Bei einem Einsatz auf dem Wasser sei es ausreichend, das Produkt mikrofein auf den Ölfilm zu sprühen, ein mechanisches Aufnehmen des Öls sei nicht erforderlich, dieses werde von Mikroorganismen „vollständig und rückstandslos abgebaut“.

Würden diese Werbeaussagen der Hersteller zutreffen, bedeutete dies für die mit der Ölbeseitigung betrauten Spezialkräfte eine erhebliche Arbeitserleichterung gegenüber den herkömmlichen Methoden der Ölbeseitigung bei gleicher oder sogar besserer Umweltverträglichkeit.

Entgegen den vollmundigen Anpreisungen in der Werbung ist das Wirkprinzip der angeblich innovativen Mittel jedoch ein altbekanntes. Die Produkte zerlegen das ausgelaufene Öl – wie bei Tensiden üblich – in kleinste Bestandteile, wobei jedoch die chemische Substanz unverändert bleibt .
Dadurch entsteht eine Emulsion, die sich fein im Gewässer verteilt, in größerem Umfang zu Boden sinkt und in den sauerstoffarmen Schichten von den vorhandenen Mikroorganismen nicht oder nur unter einem das ökologische Gleichgewicht des Gewässers zerstörenden Sauerstoffverbrauch zersetzt werden kann. Bei einem sichtbaren Ölfilm auf festem Untergrund ist das Wirkprinzip ebenfalls „aus den Augen, aus dem Sinn“. Das Öl-Tensidgemisch soll mit Wasser in den Straßengraben gespült werden. Da ein relevanter Abbau lediglich in den sauerstoffreichen oberen 5 cm Erdreich erfolgen kann, führt ein weiteres Absinken des Öl-Tensidgemischs in tiefergelegene sauerstoffarme Schichten dazu, daß ein Abbau aufgrund des hohen Sauerstoffverbrauchs der abbauenden Mikroorganismen nicht oder nur schwer möglich ist. Die angebotenen „innovativen“ Tensid-Produkte beseitigen die Verschmutzung somit nur optisch, können jedoch das Problem im Kern nicht lösen.

Es ist daher festzuhalten, daß der Einsatz derartiger Mittel nicht zu einer Beseitigung der Verschmutzung, sondern zu einer chemischen Belastung der Gewässer bzw. des Erdreiches auf lange Zeit und zu einer über die Ölverschmutzung hinausgehenden Umweltbelastung führt

Durch die unseriöse Werbung mit der angeblichen Unweltverträglichkeit und der tatsächlich nicht vorhandenen Eignung zur Beseitigung von Ölverschmutzungen in Gewässern nutzen die Hersteller die Unkenntnis der Verbraucher über die Wirkweise von Tensiden sowie deren Umweltbewußtsein mit nicht unerheblichem Erfolg für ihre wirtschaftlichen Zwecke aus und nehmen die daraus resultierenden ökologischen Langzeitfolgen, welche aus der unzureichenden Wirksamkeit ihrer Produkte resultieren, billigend in Kauf.

Seit Jahren ist jedoch in Fachkreisen bekannt und unumstritten, daß Tenside auf dem Wasser nicht eingesetzt werden dürfen. Ein Einbringen solcher Stoffe in Gewässer durch die mit der Ölbeseitigung betrauten Kräfte verstößt gegen das EU-Wasserhaushaltsgesetz und erfüllt unter Umständen sogar den Straftatbestand der Gewässerverunreinigung (§ 324 StGB). Ein Aufbringen von Tensiden auf Ölverschmutzungen auf festem Untergrund ist hingegen anerkannterweise zur Nachreinigung geeignet. Die Reinigungslösungen müssen in jedem Falle nach dem Gebrauch ordnungsgemäß aufgenommen und entsorgt werden.

Im Interesse der Umwelt sowie zur Vermeidung strafrechtlicher Konsequenzen kann den Fachleuten nur angeraten werden, nicht den unseriösen Werbeaussagen selbsternannter „Wundermittel-Hersteller“ zu vertrauen, sondern sich weiterhin an die geltenden Vorschriften und die Empfehlungen des Arbeitskreises des Umweltbundesamtes sowie seiner Fachgremien LTWS und GMAG, welche unter www.uba.de, www.ltws.de und www.goec-ev.de im Internet abzurufen sind, zu halten.

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